Vor ein paar Tagen hab ich mich unterhalten. Mit einem alten Bekannten. Er will's allen Zeigen bei der Wahl. Sicher geht er hin. Aber er wird's allen zeigen. Und wählt blau.
Zuviele Ausländer gäbe es schon im Bezirk, die allen die Arbeit wegnehmen. Die mehr Geld bekommen, als alte Veteranen vom Krieg. Und die generell ungut auffallen.
Bald würden nur mehr Türken aus allen Fenstern schauen, die Korneuburger sterben aus. Und deswegen Freiheitliche.
Aber stimmt das? Meiner Meinung nach gilt nach wie vor, und das wird sich auch nicht so bald ändern: Survival of the fitest. Natürliche Selektion. Wer gut ist, wer sich an Situationen anpassen kann, überlebt.
Wer nur sudert, Hass schürt, auf die anderen zeigt bleibt übrig.
Meinungen?
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Ich würde nicht zu pauschal antworten. Ein polnischer Bekannter, der seit rund 10 Jahren in Österreich lebt, hat mir selbst gesagt, dass er Freunde im Einwanderermilieu hat, die mit einer Liste herumlaufen, wo Organisationen draufstehen bei denen man sich bares Geld abholen kann. Also gemeinnützige Organisationen, die Unterstützung für sozial Bedürftige leisten. Er selbst hat ein Einpersonenunternehmen gegründet, arbeitet den ganzen Tag und verdient gleich viel, wie seine Bekannten. Sein Ärger über seine Bekannten ist verständnisgemäß groß.
Wenn mir das ein "Urösterreicher" (gibt es ja eh nicht) gesagt hätte, dann wäre ich nicht verwundert gewesen - ein schlechte Meinung von Fremden zu haben ist in Österreich mittlerweile leider salonfähig geworden.
Allerdings bin ich mir sicher, dass genügend Österreicher, also alle ehemaligen KuK Kronländerbewohner, die eine Österreich zuzuordenbare Mundart beherrschen, mit einer solchen Liste in der Tasche herumlaufen und die wählen dann sicher auch rechts ;-), auch wenn das ein Schuss ins Knie ist, aber egal. Oder doch nicht? Denn auf wen hauen wir denn dann wieder hin, wenn wir alle Ausländer draußen haben und keinen Job finden? Aber da fällt ihnen sicher wieder eine Minderheit ein...
Ich denke auch, dass das Phänomen Ausländerfeindlichkeit hauptsächlich mit Neid zu tun hat. Wobei das mir Unverständliche daran ist, dass mehr Neid entsteht, je besser es allen geht.
Den einzelnen Ausländerfeindlichen geht es ja keinesfalls schlecht. Ich kenne Leute, denen es im Unterschied dazu wirklich dreckig geht: Gesundheitlich, weil Ihre Firma kracht oder die Ehe in die Brüche geht. Die haben dann vollauf mit sich selbst zu tun.
Wirklich neidvoll und haßerfüllt sind die, denen es eh ganz gut geht. Sie haben zwar keinen Porsche Cayenne und keine 300m2 Villa, aber ein einigermaßen gutes Auskommen und eigentlich keine "wirklichen" Probleme, außer sich selbst. Aber offensichtlich ertragen sie es nicht, dass sie keinen Cayenne und keine Villa geschenkt bekommen, gleichzeitig jemand anderer aber ein paar hundert Euro im Monat, weil er ein Kind bekommt, arbeitslos ist oder alkoholkrank und deswegen nicht arbeiten kann. Und klar gibts auch ein paar, die nicht arbeiten wollen. Aber nicht allzuviele.
Wir haben ja auch die schöne Sozialschmarozer-Debatte, aber Ausländer eignen sich im Gegensatz dazu viel besser als Sündenböcke, weil man sie gleich auf der Straße erkennen kann: Entweder an der dunklen Hautfarbe, oder am Kopftuch, spätestens aber an der Aussprache. Wenn Du täglich über den Hauptplatz gehst, kannst Du Dir als Neidhammel jedesmal insgeheim einreden, dass die "vielen" (so viele sinds ja nicht) Ausländer alles geschenkt bekommen. Niemand wird Dich korrigieren, weil mit den Ausländern sprichst Du ja nicht, und mit Andersdenkenden gibt es maximal hin- und wieder eine politische Schreierei, aber keinen Dialog. Du bist also frei, Dir Deine finstere Hölle selbst zu erfinden und täglich immer finsterer zu machen.
Nun, das mag jetzt ein bisserl radikal von mir sein, aber ich habe mit den Ausländerhasser mehr Mitgefühl, als mit den Ausländern: Wenn Du so voll Hass bist, dass Du Dich nicht freuen kannst, dass gerade eben wieder alles im Frühling aufgeblüht ist, dass es Dir gut geht und fast allen rundherum auch, dann hast Du schon ein sehr armseliges Leben.
Und momentan haben die auch kein Angebot von niemandem, wie sie da wieder rauskommen können. Zumindest keines, das sie annehmen können.
Nur die F ist da, da finden sie vermeintlich Gleichgesinnte. Aber in Wirklichkeit treiben sie sich gegenseitig nur noch mehr in diese dunkle psychologische Ecke und schaden sich selbst am meisten. Ausgenommen die Führer bei der F, die den Hass der Leute ausnutzen: Bei denen habe ich noch nicht erkannt, dass es denen auch schlecht ginge.
Nicht jetzt, dass ich es ok finde, wenn Ausländer angefeindet werden, aber die haben im vergleich zumindest diese furchtbare Last des Hasses nicht auf Ihrer Seele und sind - so gesehen - viel besser dran, außer sie nehmen sich das blöde Gerede zu Herzen, was hoffentlich nicht bei jedem der Fall ist.
Wenn Du verstehst, sind die Dinge wie sie sind. Wenn Du nicht verstehst, sind sie, wie sie sind. - ZEN Spruch